links: Der amerikanische Spielplatz. Der Turnplatz für Frauen und Mädchen | Mitte: Garten am Ufer der Fulda, Friedrich Schlander | rechts: Winterspaziergang im Park, Friedrich Stahl, um 1912

Neue Gärten! Gartenkunst zwischen Jugendstil und Moderne

Eine Ausstellung der Stiftung Schloss und Park Benrath – Museum für Gartenkunst
In Kooperation mit der Liebermann-Villa am Wannsee, Berlin 

24. September 2017 bis 14. Januar 2018

 

Neue Gärten! titelte 1905 ein Buch des Architekten und Designers Joseph Maria Olbrich.

Die breite Reformbewegung, die um 1900 bildende Kunst, Design, Architektur, Mode und das Alltagsleben tiefgreifend veränderte, machte auch vor der Gartengestaltung und der Funktion von Parkanlagen nicht halt.Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren Parkanlagen aber auch Villengärten formal noch stark vom englischen Landschaftsgarten mit seinen geschwungenen Wegen und malerischen Baumgruppen geprägt. Der Parkbesuch war in der Regel auf das Spazierengehen reduziert. Die Besucher sollten die landschaftlichen Schönheiten des Parks von den Wegen aus genießen. Das Betreten der Rasenflächen oder gar Spiel und Sport waren dagegen nur selten gestattet.

Mit der Industrialisierung kam es im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einer immer größeren Verdichtung der Städte und damit einher zu immer kleiner werdenden Grundstücken. Gerade ärmeren Bevölkerungsschichten standen oft nur winzige Wohnungen ohne eigenen Garten zur Verfügung. Gleichzeitig war der Weg ins Grüne durch die zunehmende Größe der Städte und die nur in geringem Maße vorhandenen öffentlichen Verkehrsmittel häufig sehr weit. Dennoch verlangte die Bevölkerung in ihrer knappen Freizeit nach Möglichkeiten der Erholung, nach Licht und Luft und vor allem nach Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten für Kinder. Der Reformgarten wurde geboren! Es entstanden Volksparks in geometrischen Formen, mit geraden Wegen und vor allem weiten Wiesenflächen für Sport und Picknick, Gewässern zum Rudern sowie Sandkästen, Turngeräte und Planschbecken für kleine Kinder. Ruhesuchende konnten sich in intimen architektonischen, von Hecken gesäumten Gartenräumen zurückziehen, die häufig mit Blumen bepflanzt waren und als Ersatz für einen fehlenden eigenen Garten dienten.Auch die Gestaltung von Villengärten folgte nun formalen, geometrischen Gesichtspunkten, die den Landschaftsgarten en miniature ablösten.

Unsere Ausstellung zeigt diesen historischen Umbruch anhand zahlreicher originaler Pläne, Zeichnungen, Fotografien, Modelle, Kostüme  und Gemälde u.a. von Künstlern wie Max Liebermann, Heinrich Vogeler, Max Clarenbach, Emil Nolde, Joseph Maria Olbrich, Max Laeuger, Fritz Encke und Peter Behrens. Über zwei Etagen können Sie im Museum für Gartenkunst erstmalig einen umfassenden Überblick diese bis heute nachwirkende Epoche in Deutschland erhalten.