Roland Weber – Der Aktennachlass des Düsseldorfer Gartenarchitekten im Besitz der Stiftung Schloss und Park Benrath

Gartenarchitekt Roland Weber; Quelle: Marion Nickig
Blick von der versenkten Terrasse aus in Roland Webers eigenen Garten; Quelle: Wilfried Hansmann
Blick aus seinem Arbeitszimmer in Roland Webers eigenen Garten, angelegt 1952-53; Quelle: Nachlass Weber

 

Der in Düsseldorf geborene Roland Weber (1909 – 1997), einer der großen Garten- und Landschaftsarchitekten des 20. Jahrhunderts, hat in über sechs Jahrzehnten weit mehr als 800 Gärten entworfen und angelegt, darunter zahlreiche Anlagen für Einfamilienhäuser, Verwaltungs- und Industriebauten.

Darüber hinaus widmete er sich dem städtebaulichen Bereich. In Zusammenarbeit mit weltweit bekannten Architekten wie Helmut Hentrich, Egon Eiermann, Marcel Breuer, Philip Johnson und Richard Neutra entstanden zahlreiche Projekte, die ebenso wie die Einbeziehung von Werken bekannter Künstler, etwa Norbert Kricke, Max Ernst oder Jean Dubuffet, Webers Stellung und die Bedeutung seiner Gartenkunst belegen. Weber zählte bereits in den 30er Jahren zu den bekanntesten Landschaftsarchitekten Deutschlands und seine Werke sind teilweise von internationalem Rang. Seine Inspiration erhielt er durch die rheinische Landschaft. Er verstand es, eine harmonische Beziehung zwischen Gebäude und Garten zu schaffen. Sein Geburtsort und Zentrum seines kreativen Schaffens war Düsseldorf, von wo aus er zudem viele Projekte in anderen Städten plante, beispielsweise in Solingen, Wuppertal, Mönchengladbach, Krefeld, Meerbusch, Neuss, Köln oder Hamburg.

Nach einer Gärtnerausbildung und dem Studium an der Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Berlin-Dahlem gründete Weber 1936 ein eigenes Büro in Rodenkirchen. 1947 zog er zurück nach Düsseldorf. Sein Büro lag zunächst am Kaiser-Wilhelm-Ring 1, dann ab 1968 am Kaiser-Friedrich-Ring 38 in Oberkassel. Von beiden Büros aus konnte er auf das blicken, was eines seiner breitenwirksamsten Projekte werden sollte und was nachhaltig die Atmosphäre und das Panorama am Düsseldorfer Rheinufer mitbestimmte: die Rheinwiesen an der Oberkasseler Brücke, die er in den Jahren 1976 bis 1978 gestaltete.

Webers Werke sind in zahlreichen deutschen und internationalen Publikationen veröffentlicht, darunter auch drei nennenswerte Biographien und eine Dissertation. Eine Auswahl seiner Arbeiten wurde von November 1983 bis Januar 1984 im Stadtmuseum Düsseldorf gezeigt. Zudem widmete ihm das Museum für Europäische Gartenkunst der Stiftung Schloss und Park Benrath im Juli 2004 eine Ausstellung mit dem Titel „Roland Weber - Die Kunst des Gartens“.

Ein neues Forschungsfeld bietet seit Kurzem der umfangreiche Aktennachlass, der es ermöglicht, ein umfassenderes Bild von Weber zu zeichnen: Im Februar 2013 ist es der Stiftung Schloss und Park Benrath gelungen, die jahrzehntelang im Archiv des Meerbuscher Landschaftsarchitekturbüros Weber-Klein-Maas – 1992 aus dem Düsseldorfer Büro Roland Weber hervorgegangen – lagernden Akten für den hiesigen Bestand zu erwerben. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um solche aus der Schaffensphase nach 1947. Die mehrwöchige Sichtung des Nachlasses ergab, dass sich in den 191 Aktenordnern – rund 15 Meter Akten – Unterlagen zu über 600 Projekten aus den Jahren 1947 bis 2003 befinden, wobei die letzten Projekte von dem 1997 verstorbenen Weber nicht selbst zu Ende geführt werden konnten. Dank der Vermittlung Reinhard Kreklers, langjähriger Freund und Nachlassverwalter Webers, widmet sich die Stiftung in den nächsten Jahren der Aufarbeitung und Erforschung dieses Nachlasses.

Die Nummerierung der Ordner reicht von 1 bis 219, durch eine Archivbereinigung sind allerdings 28 Nummern nicht mehr im übergebenen Nachlass enthalten. Die Akten sind projektbezogen geordnet, umfassen teils mehrere Ordner je Projekt und bieten vielfältige Informationen. Die umfangreichsten Akten behandeln Projekte von Henkel, Mannesmann, Horten, Oetker, RBW und VW, aber auch von der Stadt Düsseldorf, dem TÜV Rheinland in Köln, der neuen Stadt Wulfen sowie von Banken wie der Commerzbank, der Stadtsparkasse Düsseldorf oder der Deutschen Bank. Ebenso ist die Gestaltung von Privatgärten prominenter Personen, unter ihnen August Oetker (geb. 1944) und Konrad Oetker, Helmut Hentrich oder Coordt von Mannstein, umfassend dokumentiert. Die Auslandstätigkeit des Landschaftsarchitekturbüros, etwa für die Deutsche Botschaft in Washington D.C., hat zudem detaillierte Akten zu internationalen Projekten hervorgebracht. Da es sich um teils sensible Daten handelt, wird im Zuge der Aufarbeitung selbstverständlich der Schutz der Privatsphäre gewahrt.

Das Material lässt sich verschiedentlich kategorisieren und reicht vom Bestandsplan über erste Ideen mit handgezeichneten Entwürfen, Pläne vom Reißbrett, Briefwechsel mit Bauherren und zuarbeitenden sowie ausführenden Unternehmen, Pflanzlisten und Rechnungen bis hin zum endgültigen Ausführungsplan. Diese Quellen ermöglichen, Webers Verständnis der Gartenkunst und Gartenarchitektur, seine darauf basierende Arbeitsweise und die Entstehungsgeschichte der Gärten, aber auch seine Persönlichkeit zu erforschen.

Von besonderer Anschaulichkeit ist die Fotodokumentation von Projekten, die gelegentlich den anfänglichen Zustand, einzelne Arbeitsschritte während der Baumaßnahmen sowie den Endzustand zeigen.

Drei Adress- und Telefonverzeichnisse aus Webers Besitz spiegeln sein privates wie professionelles Umfeld wider. Es finden sich viele Kontakte von bekannten und einflussreichen Personen der Gesellschaft, zu denen er neben geschäftlichen nicht selten auch private Beziehungen pflegte. In einigen der in den vor allem berufsbezogenen Akten befindlichen Briefen  drücken die Absender Wertschätzung und Bewunderung für Roland Weber und seine Gartenarchitektur aus. Im Kontext verschiedenster Anlässe wird deren Verbundenheit deutlich und somit die Wahrnehmung seiner Person. Konrad Henkel etwa stand Weber offensichtlich freundschaftlich gegenüber und unterschrieb Aufträge, Briefe und Grußkarten mit „Ihr Konrad“, später sogar mit „Dein Konrad“. Einige Anekdoten in der Korrespondenz bieten zudem kleine Einblicke in Webers zurückgezogene Lebensweise.

Neben seinen Gärten ist Webers Aktennachlass somit ein bemerkenswertes Zeugnis der Zeitgeschichte. Gerade derjenige Schriftverkehr mit gesellschaftlichem und kulturellem Charakter ist im Besonderen verbunden mit der Geschichte der Bundesrepublik und des Landes Nordrhein-Westfalen und sticht aus den rein betriebswirtschaftlichen Unterlagen heraus.

Eine derart umfangreiche Sammlung von Akten befindet sich – im Vergleich zu den offiziellen und privaten Archiven der auftraggebenden Firmen, Bauherren, Freunde und Bekannten Webers – ausschließlich in der Stiftung Schloss und Park Benrath, die zudem einzigartige handgezeichnete Entwurfsskizzen des Garten- und Landschaftsarchitekten vorweisen kann.

Der Aktennachlass wird in Zukunft im Rahmen eines wissenschaftlichen Projektes von der Stiftung Schloss und Park Benrath aufgearbeitet und systematisiert, so dass eine archivalische Erschließung zur weiteren Nutzung gewährleistet ist. Der Stiftungsschwerpunkt auf der europäischen Gartenkunst legt ebenso wie die Verbundenheit Webers zu Düsseldorf und dessen Projektvielfalt im Düsseldorfer Raum nahe, eine solche Forschungsarbeit vor Ort durchzuführen und zu fördern. Ziel des Projektes ist es, Weber stärker in die Wahrnehmung eines größeren Publikums zu rücken und Erkenntnisse für die Wissenschaft und für interessierte Bürger zu gewinnen. Roland Webers Anlagen sind sicherlich von vielen Düsseldorfern, aber auch denjenigen, die gerne Zeit in der Landeshauptstadt verbringen, betrachtet, durchschritten, bewundert und letztendlich genossen worden, ohne dass sich diese im Klaren darüber gewesen sein dürften, welche Geschichte sich hinter der Gestaltung der landschaftsarchitektonischen Anlagen verbirgt.

 

Marius Alexander Stiehler

April 2013

 

Literatur (Auswahl):

Ausstellung Düsseldorfer Architekten: Dr. Beucker, Dr. Hentrich & Hans Jeuser, Hans Junghanns, Hanns Leisten & Hanns Rouette, Ph. W. Stang, Heinz Thoma, Roland Weber, F. G. Winter, Ausst.-Kat. Kunsthalle Düsseldorf, 9. Mai - 10. Juni 1948, Düsseldorf 1948.

Dyroff, Hans-Dieter/ Tümena, Paul (Hgg.): Roland Weber – Gärten, Parks, Gartenhöfe, Stuttgart 1983.

Garten + Landschaft, 2 (1960), 9 (1961), 3 (1962), 1 (1963), 2 (1978), 1 (1984). Häuser. Magazin für internationales Wohnen, 4 (1989).

Hepp, Anja: Raum als Bild. Roland Weber (1909-1997), in: Benner, Katja u. a.: Gartenkünstler – Gartenbilder von 1530 bis heute, Duisburg 2009, S. 130f.

Mader, Günter: Gartenkunst des 20. Jahrhunderts. Garten- und Landschaftsarchitektur in Deutschland. Stuttgart 1999.

Poßegger, Iris: Der Gartenarchitekt Roland Weber (1909-1997), Düsseldorf 2007.

Roland Weber. Die Kunst des Gartens. Landschaftsgärten, Parks und Gartenhöfe, herausgegeben in

Zusammenarbeit mit der Roland Weber Stiftung für Schloss Benrath und Roland Weber/ Klaus Klein/ Rolf Maas Landschaftsarchitekten, Meerbusch, Ostfildern-Ruit 1999.

Stahnke, Peter: Roland Weber (1909-1997). Leben und Werk eines Düsseldorfer Landschaftsarchitekten und

Gartenkünstlers, in: Düsseldorfer Jahrbuch. Beiträge zur Geschichte des Niederrheins, Bd. 75 (2005).

Zacher, Inge/ Krekler, Reinhard: Stiftung Roland Weber für Schloss Benrath. Erwerbungen 1998-2002, Düsseldorf 2004.