"Frankenthaler Porzellan" - Zerbrechliche Kostbarkeiten

Die repräsentative Sammlung „Frankenthaler Porzellan“ der Stiftung Schloss und Park Benrath bietet einen umfassenden Überblick über die Porzellanproduktion und höfische Wohnkultur des 18. Jahrhunderts.

Die auf den Bauherrn Carl Theodor von Pfalz-Sulzbach (1724-1799) und Schloss Benrath bezogene Sammlung spiegelt in eindrücklicher Weise Leben und Ideengeschichte der höfischen Welt wieder. Zugleich faszinieren die Porzellane durch ihre künstlerische Gestaltung und die besondere Qualität der Ausführung.

Die Niederländische Ostindien-Kompanie brachte im 17. und 18. Jahrhundert als Inhaber der Hoheitsrechte die wertvollsten Luxuswaren über den Seeweg nach Europa. Neben Seide, Gewürzen und Lackobjekten gelangte so auch das an den fürstlichen Höfen gefragte Porzellan nach Europa. Umso mehr reizte es die Begehrlichkeiten als hier die technische Herstellung und die Zusammensetzung des „Weißen Goldes“ noch unbekannt war. In China schon im 9. Jahrhundert erfunden, gelang es erst 1709 in Meissen die richtige Mischung aus Kaolin, Quarz und Feldspat zur Porzellanproduktion anzufertigen. Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus experimentierten auf Geheiß Augusts des Starken, Kurfürst von Sachsen und später auch König von Polen. Dank ihres Erfolgs konnte 1710 die erste europäische Porzellanmanufaktur Meissen gegründet werden. Das Geheimnis der Porzellanherstellung, das „Arkanum“ sollte gut gehütet hier verbleiben,  Verrätern drohte die Todesstrafe. Nach und nach wurden jedoch Mitarbeiter aus Meissen abgeworben und so entstanden in ganz Europa Porzellanmanufakturen.

In Straßburg-Hagenau bestand bereits seit 1721 eine Fayence-Manufaktur, die mit ihrem Begründer und Leiter Karl Franz Hannong erfolgreich produzierte und ab 1751 auch Hartporzellan herstellte. Die Bedingungen erschwerten sich jedoch nach einem Dekret, das es nur höfischen Manufakturen erlaubte dieses Luxusgut zu erzeugen. Der Mannheimer Hof erfuhr unter Carl Theodor eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit, er förderte Kunst und Kultur, im Besonderen musikalische Leistungen. Es entstand die „Mannheimer Schule“, noch heute bekannt als Wegbereiter der  Deutschen Klassik.

So wurde Hannong 1755 am pfälzischen Hof bei Carl Theodor vorstellig und ersuchte bei ihm um die Konzession und erhielt zusätzliche Schutzprivilegien. Die Produktionsstätte wurde eine leerstehende Dragonerkaserne in Frankenthal, nahe bei Mannheim. Bereits im selben Jahr konnte Hannong „Frankenthaler Porzellan“ präsentieren. Wie ausnahmslos alle Adelsfamilien in Europa schmückte der Kurfürst seine Tafel gerne mit prunkvoller Ausstattung und erteilte Aufträge ab 1762 an seine eigene Manufaktur. Als Carl Theodor 1777, nun mit dem Titel Kurfürst von Bayern und der Pfalz ausgezeichnet, seine Residenz nach München verlagert hatte, übernahm er auch die Manufaktur Nymphenburg, ließ aber weiter in Frankenthal fertigen. So beauftragte er die Frankenthaler Manufaktur mit der Herstellung des Porzellans anlässlich der Krönung Kaisers Leopolds II. 1790 in Frankfurt. Bis zu Carl Theodors Tod wurde die Manufaktur unter wechselnden Besitzverhältnissen weitergeführt. Mit der Urkunde vom 27. Mai 1800 löste sein Nachfolger Kurfürst Max IV. Joseph die Manufaktur endgültig auf. Einige der vormals Frankenthaler Modelle wurden ab 1900 in Nymphenburg wiederaufgegriffen und neu ausgeformt.